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Wie die Jungfrau zum Kinde kam ich als Jurastudentin und Unternehmerin in einen Strukturvertrieb. Über die vielen Eindrücke, über die Reaktionen von außen und meine Haltung in der Zwischenzeit berichte ich in diesem Artikel.

Ich wurde gewarnt. Eindrücklich. Vor den Machenschaften eines solchen Strukturvertriebs. Alles Verbrecher. Schneeballsystem – eigentlich verboten. Und wie ich später lernen sollte, vor den sogenannten: Struckis. Strucki ist die abwertende Bezeichnung für Menschen, die in einem Strukturvertrieb tätig sind.

Was mich von Beginn an gewundert hatte war: Die sahen gar nicht aus wie Monster und, wenn das alles so sektenartig ist, weshalb machen sie trotzdem einen glücklichen Eindruck? Natürlich, weil alles Sekte ist. Au man! Ist doch logisch!

Ich hatte also meinen ersten offiziellen Termin irgendwann in der Zentrale dieses Strukturvertriebes und war durch die vorangegangenen Bombardements enorm skeptisch: „Erst sollst Familie und Freundeskreis abgrasen und am Ende hinterlässt Du nur verbrannte Erde. Deine Familie hasst dich. Deine Freunde wenden sich mit Grauen ab. Zuletzt stehst Du alleine auf weiter Flur, weinst und bereust, was Du da getan hast. Die arbeiten psychologisch mit allen Tricks. Das ist Gehirnwäsche, was die da machen. Und außerdem ist es ein Schneeballsystem, das ist eigentlich sowieso verboten.“ Eigentlich? Wie jetzt? Verboten oder nicht verboten? Nun gut. Ich nähere mich, wie gesagt über den ersten kleinen Wochenend-Lehrgang in der Zentrale.

Es wird geklatscht.

Der Dozent betritt den Raum. Es wird geklatscht. Der Dozent begrüsst die Teilnehmer. Es wird geklatscht. Der Dozent wird emotional. Es wird geklatscht und gejubelt. Der Dozent niest und hustet. Es wird nicht gejubelt und auch nicht geklatscht. Ok. Es wird also nicht immer geklatscht. Aber viel. Für meinen Geschmack zu viel.

Vielleicht sollte ich erst kurz einschieben, was ein Strukturvertrieb überhaupt ist, ehe ich fortfahre mit meinen Erfahrungen. Denn bis dato wusste ich das selbst nicht. Ich hatte mir gar keine Gedanken darüber gemacht, dass es für diese Art „Vertrieb“ eine Bezeichnung gibt. Und da ich mit Finanzen und Versicherungen und überhaupt mit „Vertrieb“ ja auch nichts am Hut hatte (siehe über mich), hatte ich auch nie das Bedürfnis Einblick zu nehmen. Jetzt saß ich dort. Einfach nur, weil ich ein System geil fand. Ein System, das für mich die Lösung war, das ich cool fand, das ich so genial fand, dass ich damit nach draußen gehen wollte, was man übrigens Vertrieb nennt 😉 , siehe über mich.

Strukturvertrieb ist auch unter weiteren Bezeichnungen bekannt. Man hört auch von MLM (Multi-Level-Marketing), Network-Marketing oder Direktvertrieb. Die sogenannte Struktur besteht darin, dass sich jedes einzelne Mitglied im Vertrieb seine eigene Struktur aufbauen kann. Oder auch: Die Firma in der Firma. Damit ist man selbst Teil einer Struktur (die, die vorher da waren) und baut eine eigene Struktur auf (die, die später dazu kommen). Da wir in Deutschland aber gerne Obrigkeitshörig sind 😉 wird auch gerne von „über“ und „unter“ gesprochen. Also die, die über einem sind und die, die unter einem sind.

Womit hängt das „über“ und „unter“ nun zusammen, außer mit der zeitlichen Zugehörigkeit?

Da jeder Mitarbeiter seine eigene Struktur ausbauen kann, sucht und findet jeweils jeder einzelne entsprechend eigene Teammitglieder. Die findet er über Anzeigen oder – so wie bei mir – aus bereits bestehenden Kunden. Die von einem selbst gewonnenen Teammitglieder werden damit Teil der eigenen Struktur und derjenige, der andere gewinnen konnte, ist quasi deren Führungskraft, Mentor, Trainer, Coach, Ausbilder, Berater, Begleiter, Betreuer, Sponsor, etc.

Dieses System findest Du bei sämtlichen Vertrieben im Bereich Versicherungen und Finanzen, aber auch bei diversen Direktvertrieben wie Amway, Ringana, Tupperware, Younique, Vorwerk, LR, Liebesengel, FitLine, etc. Interessanterweise habe ich von sonstigen Anbietern diverser Kosmetik-, Putzmittel-, Kerzen-, Dessous-, Nahrungsergänzungsmittel-, und Dildofirmen noch nie den Begriff Strucki gehört. Dieser scheint wohl der besonders bösen Finanzbranche vorbehalten zu sein. Auch teilen sich die Geschlechter recht deutlich auf. In der Finanzbranche dominieren im Außendienst/Vertrieb Männer das Geschehen, bei allen anderen Firmen sind es meist Frauen.

Was ist nun das besondere an diesen Strukturvertrieben im Vergleich zu sonstigen Verdienstmöglichkeiten?

  1. Man ist selbstständig.
  2. Man ist meist als Handelsvertreter gem. § 84 HGB aktiv.
  3. Der Verdienst ist ausschließlich erfolgsorientiert, heißt: Ohne Umsatz, kein Geld.

Kurzum: Man ist selbstständig mit Begleitung, für manche auch: unter Aufsicht. Die Tatsache, selbst Unternehmer für ein Unternehmen zu sein, kann nicht für den schlechten Ruf dieser Organisationen verantwortlich sein. Denn dann müssten sämtliche Menschen, die Unternehmer sind unter einem komischen Ruf zu leiden haben. Es geht also ganz offensichtlich um eben diese Struktur.

Was ist nun der Unterschied zu einem Unternehmer und einem Unternehmer in einem Strukturvertrieb?

Ich möchte diese Frage zum Anlass nehmen, sie unmittelbar mit meiner Selbstständigkeit zu vergleichen. Denn ich bin seit 2005 selbstständig. Bislang war ich es nur für mich alleine. Und ja, da gibt es in der Tat Unterschiede zu einem Handelsvertreter-Dasein gem. §84 HGB.

  1. Alleine arbeiten – im Team arbeiten
    Als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich alleine gearbeitet. Morgens, mittags, abends – außer ich hatte Kundenkontakt. Das war teils eine recht triste Angelegenheit. Alles selbst herausfinden. Niemanden fragen können. Alles aus der eigenen Expertise oder noch-nicht-Expertise heraus entscheiden und gaaanz viel learning-by-doing. Anstrengend.
    Obwohl jeder für sich selbstständig ist, existiert im Strukturvertrieb ein Team. Das sind in erster Linie die Menschen, die bereits vor einem selbst da waren. Und je nach Gepflogenheiten des Unternehmens/der Führungskraft sind die Menschen füreinander da. Das heißt: Es finden regelmäßige Treffen/Konferenzen statt, an denen sich ausgetauscht wird über Beratung, Produkte, Besonderheiten, Organisation und am Ende auch Verkaufen bzw. Marketing.
  2. Sein eigenes Produkt/Dienstleistung bewerben – eine andere Firma bewerben
    Wer sich ganz alleine selbstständig macht, bietet sein Produkt oder seine Dienstleistung an. Egal ob Handwerk oder sonstiger Service. Ich vermarktete mich selbst, den eigenen Firmennamen, Räumlichkeiten, selbst entworfene Kreationen, mein Handwerk, meine Preise, mein Geschäftsmodell.
    Als Handelsvertreter ist das nicht der Fall. Konkret hilft uns hier das Gesetz § 84 HGB weiter: „Handelsvertreter ist, wer als selbständiger Gewerbetreibender ständig damit betraut ist, für einen anderen Unternehmer Geschäfte zu vermitteln oder in dessen Namen abzuschließen. Selbständig ist, wer im wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann.“ Man ist also in gewisser Weise eingeschränkter, bedient sich aber eines vorhandenen, erprobten Systems. Wirft sich also nicht selbst komplett ins eiskalte Unternehmer-Wasser.
  3. Alles von Null aufziehen – auf ein bestehendes System zurückgreifen
    Wie unter Punkt 2 bereits erwähnt. Wer sich als Unternehmer komplett selbstständig macht, kann das mit allem tun, was das eigene Herz begehrt. Ob sich dieses Unternehmen trägt und die getätigten Investitionen wieder rein kommen, steht auf einem anderen Blatt. Ich investierte mal mehr und mal weniger in Geschäftsideen. Aber investieren, heißt: In Vorleistung gehen, musste ich immer und zwar nicht zu knapp.
    In einem Strukturvertrieb existiert bereits dieses Unternehmen, ist in der Regel auch erprobt. Man muss nur noch umsetzen, was bereits vorhanden und vorbereitet ist. Quasi: Einsteigen und das eigene Glück versuchen. Das funktioniert relativ risikolos. Relativ heißt: Wenn der eigene Job gekündigt wird und es dann im Vertrieb nicht klappt, muss man sich einen neuen Job suchen. Wie das halt sonst auch so ist, wenn es mit der anderen Arbeitsstelle nicht klappt – egal ob selbstständig oder nicht.

Und warum, wenn das alles nun so toll klingt, ist es so verpönt und warum hört man immer wieder etwas von einem Schneeballsystem, das in Wirklichkeit verboten ist? Also in Wirklichkeit – und nicht eigentlich! Und was hat es mit dieser Gehirnwäsche auf sich?!

Ok ok, immer der Reihe nach!

Das Schneeballsystem

Das Schneeballsystem habe ich als 13-jährige kennengelernt. Ich besuchte noch das Gymnasium und da machte ein Kettenbrief die Runde. Ich bekam diesen von einer Freundin. Auf diesem Brief standen Namen und an jeden Namen sollte ich eine DM versenden. Aber von vorne, wie das konkret funktioniert. Eine Person kommt auf diese Idee (kamen übrigens schon viele): Sie bringt drei Menschen dazu, ihr jeweils einen Euro zu senden. Diese drei Menschen sollen wiederum drei Menschen dazu bringen ihr und den anderen drei jeweils einen Euro zu senden. Diese wiederum sollen wieder drei … usw. usf. Wenn man dieses Spiel zu Ende denkt, tritt nicht nur irgendwann eine Marktsättigung sein (auch Herz- und Schenkkreis genannt). Es ist auch so, dass die allerallerletzten in diesem Spiel sämtliche Euros verschickt haben (es wird nach unten hin immer teuerer – Pyramidensystem), aber selbst nichts mehr bekommen, da niemand mehr übrig ist (theoretisch, wenn der Markt gesättigt ist). Das bedeutet konkret: Um dabei zu sein, muss erst ein bestimmter Betrag bezahlt werden. Die einzelnen Mitglieder verdienen alleine dadurch, dass Neue hinzu kommen. Und irgendwann tritt rein rechnerisch Marktsättigung ein. Das nennt man Schneeballsystem. Das ist konkret in Deutschland verboten – nicht nur eigentlich. Und das ist kein Strukturvertrieb. Gut. Hätten wir das geklärt.

Und dennoch bezeichnet Wikipedia die Abgrenzung manchmal als schwierig. Die Frage, die gestellt werden sollte ist: Würde der Kunde das angebotene Produkt erwerben, selbst wenn er keine Provision für die Vermittlung von Neukunden erhielte?

Auf diese Frage kann ich in meiner Arbeit mit einem ganz klaren JA antworten. Und für alle, die nur überfliegen: Ja, ich arbeite in KEINEM Schneeballsystem, denn meine Mandantinnen erhalten gar keine Provision für irgendwas. Provision erhalten die Mitarbeiter, das ist ihr Verdienst als Unternehmer. Das war es aber dann auch schon. So wie halt jeder Unternehmer verdient, wenn er was verkauft. Puh, ist das kompliziert.

Ok, nachdem alle Fakten durchgearbeitet wurden, bleibt nur noch der Bereich Gehirnwäsche und sonstige soft facts übrig.

Die Gehirnwäsche

Für manche da draußen stellt es ein Problem dar,

….zu wissen, dass Menschen nur dann Geld verdienen, wenn ein Produkt verkauft/platziert wird. Frage: Ist das nicht für jedes und zwar wirklich jedes Unternehmen der Fall?

…dass derjenige „über“ ihnen „an ihnen“ mitverdient. Frage: Ist es nicht nur fair, wenn derjenige den Arbeitsaufwand, um einen Menschen anzulernen, entsprechend entschädigt wird?

…dass es Ziele gibt. Frage: Glaubst Du nicht, dass jede Firma Wachstumsziele hat? Weshalb sollte das bei Einzelunternehmern anders sein?

…dass sie Menschen suchen, „an denen“ sie mitverdienen. Frage: Funktioniert so nicht jedes Unternehmen? Menschen werden eingestellt in der Voraussicht, dass ihre Arbeitskraft weniger kostet als der Gewinn, der mit dieser erzielt wird. Jedes Unternehmen wächst durch die Anzahl seiner Mitarbeiter. Also verdient damit nicht jedes Unternehmen „an“ seinen Mitarbeitern? Klingt hart? Ist aber so.

…wenn sie feststellen, dass Menschen aus diesen Vertrieben aussteigen und gar nicht viel Geld verdient haben, obwohl ihnen das doch auch erzählt wurde, nicht wahr? Frage: Wie lange braucht ein Unternehmer, bis sein Geschäft tiefschwarze Zahlen schreibt? Zwei Jahre? Drei Jahre? Vier Jahre? Aha! Und weshalb sollte ein Handelsvertreter, der zu 100% selbstständig ist, sich bereits nach drei Monaten eine goldene Nase verdienen? Da würde irgendwas nicht richtig laufen, oder?

…wenn sie sehen, dass Menschen, die schon 20 Jahre oder mehr in diesen Vertrieben sind und sich eine Struktur mit über 100 Teammitgliedern aufgebaut haben, tatsächlich Millionäre geworden sind. Frage: Das wäre in der freien Wirtschaft längst ein mittelständisches Unternehmen, richtig? Ein solcher Firmenchef sollte nach 20 Jahren auch Millionär sein, oder?

…dass so viel geklatscht wird. Antwort: Stimmt. Stellte es für mich auch. Es war extrem ungewohnt, dass jeder, der etwas beizutragen hatte oder der sich traute, vor der ganzen Gruppe zu sprechen, beklatscht wurde. Bis ich mir selbst die Frage stellte: Wieso eigentlich nicht? Was ist so schwer zu ertragen, wenn Menschen sich für ihre Leistung Wertschätzung entgegen bringen?

…wenn Menschen in einem Strukturvertrieb völlig unreflektiert diesen bejubeln und gar nicht die Gefahr sehen, die dahinter steckt. Antwort: Absolut! Da bin ich ganz bei dir! Es gibt tatsächlich nicht nur eine Gefahr. Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne und nicht jedes Konzept ist für jeden geeignet.

Kommen wir noch einmal aufs Klatschen und auch auf Ziele zurück.

Richtig ist, dass in diesen Konzepten üblicherweise „Rankings“ geführt werden. Die Umsatzstärksten werden bejubelt, steigen auf, gewinnen diverse Dinge. Für diese Verstärkung von außen in Form von Lob, Anerkennung, Bühne, Applaus können Menschen sich selbst aufgeben. Der Drang nach Bühne kann so stark werden, dass dies zum alleinigen Antrieb werden kann: Noch eine Medaille, noch eine Urkunde, eine Reise, ein Gutschein. Dafür auf die Bühne und von allen bejubelt und gefeiert werden – für die ganz eigene Leistung. Zum Leistungsbegriff später.

Wenn Du meinen Blog schon ein wenig durchgeblättert hast, weißt Du, dass ich ganz persönlich die goldene Mitte bevorzuge – bei allem im Leben übrigens. Wenn Bestätigung von Außen der einzige Antrieb ist, kann kein Gleichgewicht in diesem Menschen herrschen. Er wird manipulierbar wie eine Marionette. Was von Außen kommt, ist sein Motor. Entsprechend angepasst ist sein Verhalten.

Andersherum leben wir in einer Gesellschaft, in der Wertschätzung und Anerkennung völlig zu kurz kommen. Und zwar nicht nur für Leistung, sondern für alles. Bereits in der Schule dürfen sich nur die Wenigsten unter Berücksichtigung der Gaußschen Verteilungskurve zu den Besten zählen, was regelmäßig Frust bei allen anderen verursacht. Somit liegt in Sachen Vergleicherei Freud und Leid nahe beieinander, was wiederum nur schwer in das Konzept der Wertschätzung passt. Denn immer besteht ja die Möglichkeit noch besser, noch weiter vorne, noch stärker zu sein – und das, obwohl Umstände völlig andere sind. Da isser wieder: Der Blick nach Außen.

Und dann sind da noch die Ziele. Es scheint Menschen zu geben, die eben alles für diese (Umsatz-) Ziele tun und tun können. Sie verkaufen einem Eskimo einen Kühlschrank – oder versuchen es zumindest. Ich weiss gar nicht, wie viele Nachrichten mich auf Facebook schon erreicht haben, ob ich denn abnehmen wollte, Schminksachen bräuchte, meine Falten weg haben will, endlich glücklich werden will, etc. pp 🙂

Doch bei Versicherungen und Finanzen ist das noch einmal etwas anderes, nicht wahr? Da geht es immerhin ums eigene Geld und der lausige Finanzhai will sicher nur an das eigene Geld. Es ist ja nicht so, dass die anderen aus reiner Fürsorglichkeit verkaufen. Irgendwie wollen doch alle nur ans Geld! In was für einer Welt leben wir eigentlich? Hach ja, früher war alles besser. *Ironie off

Ich komme zum Punkt: Das Problem ist, dass die Wenigsten da draußen zumindest im Ansatz wissen, was sie brauchen und in der Lage sind, sich zu artikulieren. Das beginnt beim Kleidungskauf geht weiter über den Friseur, Zahnarzt, Fußpfleger und endet bei: Versicherungen und Finanzen. Also ja, bei Versicherungen und Finanzen ist es tatsächlich etwas anderes. Während der wirtschaftliche Schaden bei einer Hose, die einfach einen hässlichen Hintern macht und im Schrank vergammelt, man das auch wusste, sich aber nicht getraut hatte, das der talentierten Verkäuferin zu sagen, sich noch in Grenzen hält, können mit falschen Anlageprodukten schon echte Schnitzer gebaut werden. Der Satz war lang!

Egal ob Schrottimmobilien, teure Rentenversicherungsprodukte oder anderer Kram. Und wenn Produkt und Kunde nicht zusammenpassen und man einfach nur verkauft hat, was gerade von „oben“ diktiert wurde, wird’s wirklich schlecht. Dennoch gibt es selbstverständlich Produkte, die mehr „abwerfen“ als andere. Und hier liegt der Hase bei vielen im Pfeffer. Es wurden in der Vergangenheit schon Produkte platziert, an denen man eben gut verdient hat, die aber für diesen Kunden möglicherweise nicht geeignet waren oder die dieser nicht abgeschlossen hätte, hätte er noch eine Nacht darüber geschlafen. Aaaber: Auch dafür hat der Kunde ein 14-tägiges Widerrufsrecht, auf das ich meine Mandantinnen übrigens hinweise. Also ein bisschen Eigenverantwortung darf dann auch sein. Wir sind ja alle erwachsen, nicht wahr?

Der Leistungsbegriff.

Für welche Leistung wird man eigentlich ausgezeichnet? Ich unterscheide zwischen der Leistung viel Umsatz gemacht zu haben, was bedeutet: Der hatte aber viel Arbeit – und der Leistung: Einfach nur einen richtig guten Job beim Kunden gemacht zu haben, heißt: Der Kunde/Mandant ist glücklich und zufrieden, fühlt sich wohl und empfiehlt mich selbstverständlich begeistert weiter. Denn: Wenn es nicht mehr um die Bedürfnisse des Kunden geht, sondern die Bedürfnisse des Beraters überwiegen, fehlt das Gleichgewicht. Wenn der Berater/Verkäufer mehr das Bedürfnis hat, auf einer Ranking-Liste ganz oben zu stehen, statt einen sauguten kundenorientierten Job hinzulegen, stimmen die ethischen Prioritäten einfach nicht. Und dabei spielt es selbstverständlich eine Rolle, ob ein Vertrag abgeschlossen wird, der Kosten in 3-stelliger Höhe verursacht oder eine super duper Tupperbox für sommerliche Grillabende an die Frau gebracht wird, denn zur Not tät’s darin auch Wurscht und Käs.

Womit wir am Ende – gaaanz am Ende – wieder beim Thema Geld und Anerkennung angekommen wären. Wow. So viel Text für eine so banale Erkenntnis.

Und GELD verdirbt bekanntlich nicht den Charakter. Geld zeigt den Charakter. Und damit geht es doch wieer nicht um Geld, sondern um CHARAKTER. Und jede/r einzelne Berater-in/Verkäufer-in von Kerzen, Finanzprodukten, Unterwäsche, Dildos, Putzmittel, Versicherungen, Kosmetik oder Nahrungsergänzungsmitteln hat die Entscheidung sich an seiner Qualität zu messen oder an irgendwelchen Zahlen, die andere vorlegen. Beides motiviert, das eine intrinsisch, das andere extrinsisch.

Ich war damals von diesem Konzept (Zielbestimmung – Finanzanalyse – Gutachten – Umsetzung), das ich heute meinen Mandantinnen anbiete, so begeistert, weil meine Ziele und Wünsche im Vordergrund standen. Mein Berater zeigte mir den Weg dorthin und erklärte mir, was dazu nötig wäre. Durch den Überblick begann ich, mich selbst mehr mit Geld zu beschäftigen, ehe ich am Ende beschloss für diese Firma tätig sein zu wollen und sogar die Ausbildung zur Versicherungsfachfrau gem. § 34d GewO neben meinem Jurastudium abschloss. (Ja, war extrem. Und nein, nicht unbedingt empfehlenswert, wenn man noch ein Leben möchte. 🙂 ) Und auf einmal war ich in einem sogenannten Strukturvertrieb. Übrigens, mich nervt dieses Wort. Ich schreibe es nur so oft für die Suchmaschinenoptimierung.

Ich habe in der Zwischenzeit erfahren, dass es Strukturvertriebe gibt, in denen viel Druck gemacht wird, die junge Leute mürbe machen, denen Verkaufsseminare wichtiger sind als Produktschulungen. Ich habe mich bereits mit diesen Menschen unterhalten dürfen, die mir gesagt haben: „Nie wieder Strukturvertrieb, nie wieder Finanzbranche und wenn, dann nur komplett auf eigene Faust.“

Für mich ganz persönlich ist „Strukturvertrieb“ eine Möglichkeit in einem Team von motivierten, begeisterten, ehrgeizigen, (zumeist) jungen Menschen arbeiten zu können. Einen ganz besonderen Spirit zu erleben, Unterstützung zu erhalten, im Team für eine Sache zu stehen, meine Werte mit anderen teilen zu können. Meine Anerkennung beziehe ich aus dem Feedback und der Zufriedenheit meiner Mandantinnen – und im Übrigen studiere ich Rechtswissenschaften. Dieser Studiengang ist für mich der Inbegriff von Fairness, wenngleich Recht und Gerechtigkeit nichts miteinander zu tun haben müssen. (Bekommt jeder Student im 1. Semester unmissverständlich klar gemacht.)

Mein Tipp:

Wenn Du in deiner Persönlichkeit labil bist, besonders auf Aufmerksamkeit von außen bedacht bist oder Geldnot hast, solltest Du dich keinem Direktvertrieb anschließen. Möglichst schnell viel zu verdienen oder auf irgendwelchen Rankings schnell ganz oben zu stehen wird dir langfristig um die Ohren fliegen.

Multi-Level-Marketing ist grundsätzlich etwas für Menschen, die eine andere Lebensweise suchen, die mehr vom Leben wollen, die relativ risikofrei in die Selbstständigkeit hineinschnuppern möchten. Strukturvertrieb ist etwas für Menschen, die auch gerne im Team arbeiten, die Unterstützung suchen und gerne neue Möglichkeiten ausprobieren. ABER grundsätzlich gilt: Vertrieb ist nichts für jeden! Selbstständigkeit ist nichts für jeden! Und Geld folgt langfristig immer der echten Freude und Überzeugung. Somit solltest Du nur den Vertrieb eines Produkts/einer Dienstleistung wählen, das dich zu 100% überzeugt. Von dem Du so sehr überzeugt bist, dass Du es sofort deiner Familie und deinen besten Freunden ans Herz legen würdest. Auch deshalb beginnen übrigens viele Direktvertriebler im Familien- und Freundeskreis.

Und hier noch ein kleines Statement von Eva-Maria, die begeistert Kosmetik von Younique vertreibt: 

In meinen Augen gibt es keine schönere Art des Zusammenarbeitens, als beim Networkmarketing.

In jedem anderen Job ist zwar Teamwork angesagt, jedoch wird man nur auf der Karriereleiter vorankommen, wenn man andere „überholt“ und besser ist als sie. Man hilft sich nur bedingt gegenseitig, denn das Vorankommen der Kollegen könnte einen ja selbst ausbremsen und am Ende steht man bei der Beförderung hintenan. Die Plätze ganz oben im Unternehmen sind mehr als begrenzt – die Chancen, dort jemals hinzukommen sind gering und liegen kaum in unserer Hand. Oft zählt der Schulabschluss mehr, als die Persönlichkeit.

Im Networkmarketing hingegen sind die Führungspositionen für jeden zugänglich. Welchen Schulabschluss man hat, ist hier absolut egal… JEDER kann bis nach ganz oben kommen.
Harte und ehrliche Arbeit zahlt sich hier aus und ganz vornedran steht immer: das Team. Jeder einzelne im Team wird gepusht – jedem wird das Vorankommen gegönnt. Bremst man die Menschen neben sich aus und arbeitet man „für sich alleine“, bleibt man hintendran. Ego und Ellbogendenken sind also absolut fehl am Platz – das Miteinander ist hier gefragt. Jeder hilft jedem. Punkt.

Deswegen liebe ich meinen Job und mein Team – sich gegenseitig zu helfen kommt an erster Stelle. Nur Hand in Hand können wir sein!

Ich hätte es nicht besser beschreiben können. Am Ende liegt es – wie so oft – an den Menschen, was sie daraus machen. Good Luck!

Du hast eine Meinung dazu? Du hast deine eigenen Erfahrungen gemacht? Dann gerne hier in die Kommentare.